Biografie
Emili Godes Hurtado
Barcelona, 1895 – 1970
Emili Godes Hurtado (Barcelona, 1895–1970) war ein vielseitiger Fotograf, dessen Laufbahn sich über mehr als fünf Jahrzehnte erstreckte. Er arbeitete in der Industrie-, Werbe-, Wissenschafts-, Medizin-, Kunst- und Filmfotografie und erkundete zugleich die kreativen Möglichkeiten des Bildes.
Sein Werdegang spiegelt den Wandel der Fotografie im 20. Jahrhundert: von den frühen Jahren technischer Ausbildung bis zur Übernahme der Bildsprachen der Moderne und der Avantgarden in unterschiedlichsten professionellen Aufträgen.
Trotz dieses umfangreichen und vielfältigen Werks legte Godes nie ein eigenes Archiv seiner Arbeiten an. Anders als andere zeitgenössische Fotografen, die ihre Bestände ordneten und bewahrten, blieb sein Werk auf Aufträge, Unternehmen, Publikationen und Institutionen verstreut. Das Fehlen eines eigenen Archivs erklärt, warum er bis heute in manchen Bereichen wenig bekannt ist und ein großer Teil seines Werks anhand von Sammlungen an verschiedenen Orten rekonstruiert werden musste.
Kindheit und Ausbildung
Emili Godes wurde am 14. April 1895 in Barcelona in eine Familie mit engen Verbindungen zu Musik und Kunst geboren. Sein Vater war Tenor am Liceo und Kapellmeister. Emili erhielt musikalischen Unterricht in Gesang und Violine und entwickelte zugleich ein Interesse an Malerei und Kunstbüchern. Diese Ausbildung prägte eine Sensibilität, die er später auf die Fotografie übertrug.
Mit etwa fünfzehn Jahren begann er als Lehrling bei Casa Riba, einem der bedeutendsten Fotogeschäfte Barcelonas. Dort lernte er Kameras, Materialien, Laborverfahren und internationale technische Publikationen kennen.


Die ersten Arbeiten
In den 1910er-Jahren festigte er seine praktische Ausbildung. Nach Casa Riba wechselte er zu Casa Cuyàs, wo er zum Laborleiter aufstieg. Die dortige Erfahrung vermittelte ihm umfassende Kenntnisse fotografischer Verfahren und der technischen Möglichkeiten neuer Geräte.
In diesen Jahren begann er außerdem, Fotografien bei Wettbewerben einzureichen und ein eigenes künstlerisches Werk zu entwickeln. Von Anfang an ging seine professionelle Tätigkeit mit dem Wunsch nach künstlerischem Experiment einher: Fotografie war nicht nur ein Beruf, sondern auch ein Ausdrucksmittel.


Berufliche Selbstständigkeit
1928 machte er sich als Fotograf selbstständig, obwohl er bereits zuvor eigene Aufträge ausgeführt hatte. 1927 hatte er eine umfangreiche Reportage über Córdoba, seine Straßen und Baudenkmäler angefertigt – ein Werk, das bereits sein Interesse an Architektur, Stadt und Komposition erkennen lässt.
Außerdem dokumentierte er die Erschließungs- und Bauarbeiten auf dem Montjuïc im Zusammenhang mit der Weltausstellung Barcelona 1929. In den 1920er- und 1930er-Jahren arbeitete er zudem an Reproduktionen von Kunstwerken, in der Industriefotografie, Werbung sowie an Reportagen für Institutionen und Unternehmen. Seine Beziehungen zu Künstlern, Galerien und Fachpublikationen brachten ihn den modernen Strömungen seiner Zeit näher.
Die Ausstellung markierte zugleich einen Wendepunkt: Ab 1929 richtete sich sein Interesse zunehmend auf technische und wissenschaftliche Fotografie. In den 1930er-Jahren war er fotografischer Leiter der Zeitschrift Arxius de l’Escola Superior d’Agricultura und arbeitete mit dem Lehrstuhl für Entomologie der Universitat de Barcelona zusammen.


Der Spanische Bürgerkrieg
Während des Spanischen Bürgerkriegs arbeitete er fotografisch mit dem Comissariat de Propaganda de la Generalitat de Catalunya zusammen.
1938, kurz vor dem Einmarsch der nationalistischen Truppen in Katalonien, war er an den Dreharbeiten zu Sierra de Teruel beteiligt, dem Film, den André Malraux in Barcelona nach seinem Roman L’Espoir inszenierte. Die Dreharbeiten, die zu einem großen Teil in den Orphea-Studios stattfanden, wurden durch den Kriegsverlauf unterbrochen; der Film konnte erst Jahre später in Frankreich unter dem Titel L’Espoir aufgeführt werden.
Nach der Niederlage der Republik zerstörte er einen Teil seiner Negative, um möglichen Repressalien zu entgehen, und musste die erforderlichen Unterlagen beantragen, um weiterarbeiten zu dürfen. Krieg und Repression bedeuteten einen Bruch und erklären zum Teil den Verlust von Materialien aus jener Zeit, der die Rekonstruktion seines Werks heute erschwert.



Nachkriegszeit und berufliche Konsolidierung
In der Nachkriegszeit baute er seine Tätigkeit wieder auf, weitete sie aus und vergrößerte den Kreis seiner Auftraggeber. Er arbeitete für Unternehmen, Labore, wissenschaftliche Institutionen und medizinische Fachleute und fertigte Industrie- und Werbefotografien für Firmen wie Catalana de Gas y Electricidad, Coca-Cola, Laboratorios Esteve, Myrurgia oder Osram an.
Seine Freundschaft mit Francisco García del Cid, Dr. Antoni Puigvert und der Escola Superior d’Agricultura führte ihn zur wissenschaftlichen und medizinischen Fotografie, zur Nahaufnahme und zur Makrofotografie. Außerdem war er umfangreich als Standfotograf tätig und realisierte drei Kurzfilme: Màgica Nit, La Calumnia und Todo es según el color….


Die letzten Jahre
In den 1950er- und 1960er-Jahren arbeitete er weiterhin als professioneller Fotograf für Unternehmen, Wissenschaftler, Ärzte und Filmstudios. Seine Negative und Abzüge entwickelte er nach wie vor persönlich in dem Labor, das er in seiner Wohnung eingerichtet hatte.
Er war ein Fotograf, der sich an unterschiedliche Auftraggeber, Techniken und Bildsprachen anpassen konnte, ohne seinen eigenen Blick aufzugeben. Er starb am 20. Februar 1970 im Alter von 74 Jahren in Barcelona und war bis zuletzt als Fotograf tätig.


Zeitleiste
Private Fotografien
Auswahl von Bildern aus dem Familienarchiv und dem Bestand Emili Godes des IEFC.







