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Emili Godes

Ein moderner Blick

Wie Emili Godes blickte

Die Modernität von Emili Godes findet sich nicht nur in den Fotografien, die er als künstlerische Werke konzipierte. Sie zeigt sich ebenso in seinen Industrie-, Wissenschafts-, Werbe- und Filmbildern: in der Art, eine Fabrik zu betrachten, ein Insekt zu vergrößern, ein Kunstwerk zu reproduzieren oder ein Bild für ein Unternehmen zu gestalten.

Im Kontakt mit Publikationen, Fotografen, Künstlern und Institutionen seiner Zeit übernahm Godes neue Blickwinkel und Verfahren, ohne die Präzision aufzugeben, die seine professionelle Tätigkeit als Fotograf erforderte.

Klassifikation der Blickpunkte von Emili Godes nach der Studie «Modernidad y vanguardias fotográficas en la obra de Emili Godes» (2014) von Laia Foix. Forschung, Zuschreibungen und Vergleiche mit anderen Fotografen stammen von ihr; Bildauswahl und Text dieser Seite wurden für diese Website erstellt.

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Eine Generation

Emili Godes wurde 1895 geboren, im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, unmittelbar vor all den technischen, ästhetischen und ideologischen Veränderungen, die die Fotografie erschüttern sollten. Er gehörte genau derselben Generation an wie jene, die diese Veränderungen in Europa und Amerika prägten: Paul Strand und Man Ray (1890), El Lissitzky (1890), John Heartfield und Alexander Rodchenko (1891), Christian Schad und André Kertész (1894), László Moholy-Nagy (1895), Jacques-Henri Lartigue (1896), Walter Peterhans, Albert Renger-Patzsch und Edward Weston (1897), Berenice Abbott (1898) oder Brassaï (1899).

In Barcelona traf er auf eine vergleichbare Generation: Pere Català Pic (1889), Ramon de Baños (1890), Gabriel Casas und Josep Masana (1892), Josep Sala (1896), Joan Porqueras (1899), Antoni Arissa (1900), Joaquim Gomis (1902) und Josep Maria Lladó (1903). Arissa, Català Pic, Lladó, Masana, Porqueras und Godes selbst durchliefen einen ähnlichen Weg: den Übergang vom Piktorialismus zum Neuen Sehen.

Statt mit Etiketten und starren Schubladen lässt sich das 20. Jahrhundert besser über Tendenzen, übergreifende Bildsprachen und Techniken, persönliche Phasen und Entwicklungen erklären. Godes gehörte keiner geschlossenen Gruppe an und unterzeichnete keine Manifeste: Er war ein für sein Umfeld offener Berufsfotograf, der sich parallel zu seinen Zeitgenossen wandelte.

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Wie die Moderne zu ihm gelangte

Godes war achtzehn Jahre lang Angestellter in zwei der bedeutendsten Fotogeschäfte Barcelonas: zunächst bei Casa Riba, anschließend bei Casa Cuyàs, wo er Laborleiter wurde. Erst 1928 machte er sich selbstständig. Diese Jahre des Handwerks hielten ihn keineswegs von der Moderne fern, sondern waren sein Zugang zu ihr.

Der Butlletí de l’Agrupació Fotogràfica de Catalunya —Godes war Gründungsmitglied der Vereinigung— übernahm seine Artikel direkt aus ausländischen Fachzeitschriften (Photo-Revue, La Photographie, Photo-Era) und vermittelte ihm so eine fundierte Ausbildung in den modernsten Techniken und Geräten der Zeit. Hinzu kamen die aus der Fotoindustrie hervorgegangenen Revista Kodak und Revista Agfa, die Industrie- und Werbefotografie förderten und sich von piktorialistischen Positionen entfernten.

Zudem arbeitete er für avantgardistische Maler und Bildhauer sowie für Kunstgalerien: Durch die Reproduktion ihrer Werke lernte er die Kunstströmungen seiner Zeit aus erster Hand kennen. Er saß in Wettbewerbsjurys neben Narcís Ricart, Antoni Arissa oder Català Pic. Diese Verbindung aus technischer Ausbildung, Künstlerkontakten und Anerkennung unter Kollegen ermöglichte ihm den Schritt zu seiner Serie von Makrofotografien.

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Neues Sehen

Das Neue Sehen entstand aus den Ideen des Bauhauses. Es setzte auf neue Bildausschnitte und Blickwinkel —Auf- und Untersichten, Fragmentierung, Detailansichten, mitunter bis an die Abstraktion reichende Dekontextualisierung— sowie auf Kontraste in Form und Licht. Ziel war es, die Wirklichkeit so wiederzugeben, wie wir sie sehen, nicht so, wie die malerische Tradition sie ordnet.

All diese Mittel finden sich im Werk von Emili Godes: verschobene Blickwinkel, fragmentarische Ausschnitte, Diagonalen und besondere Aufmerksamkeit für die visuelle Struktur von Gegenständen und Räumen. Godes gehörte keiner geschlossenen Gruppe an, doch sein Werk dokumentiert deutlich den Übergang vom Piktorialismus zu den modernen Bildsprachen seiner Zeit.

Neue Blickpunkte, neue Bildausschnitte

Emili Godes, ohne Titel (Fingerhut, Nadel und Knöpfe), ca. 1930
Emili GodesOhne Titel (Fingerhut, Nadel und Knöpfe), ca. 1930
Neues Sehen: senkrechte Aufsicht weit über dem Gegenstand und eine Detailansicht, die den Nähkasten so stark beschneidet, dass Kontext und Maßstab verschwinden. Der Faden durchquert das Bild diagonal und ordnet es; der Jutehintergrund wird zur Struktur. Die Kamera blickt von einem Standpunkt, den ein Maler nicht wählen würde.
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Emili Godes, ohne Titel (Geigenhals über einer Klaviatur), ca. 1930
Emili GodesOhne Titel (Geigenhals über einer Klaviatur), ca. 1930
Neues Sehen: Die Kamera steht schräg und sehr nah, sodass die Tasten nicht mehr als Klavier erscheinen, sondern als rhythmische Folge von Weiß und Schwarz. Der Geigenhals schneidet diagonal in dieses Raster; Kontraste von Form und Licht ersetzen die Beschreibung des Instruments.
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Neue Sachlichkeit

Die Fotografen der Neuen Sachlichkeit suchten nach durchgehend scharfen, nicht manipulierten Aufnahmen, um eine Einheit zwischen fotografischer Technik und fotografiertem Gegenstand zu erreichen: flaches Licht, kleine Blenden, lange Belichtungszeiten und das Auge des Fotografen. Godes’ technische Präzision stand künstlerischem Ausdruck nicht entgegen. In seinen wissenschaftlichen und industriellen Fotografien sowie in Kunstreproduktionen erzeugen Detail, Schärfe und Lichtkontrolle ebenfalls eine visuelle Erfahrung.

Mit dieser Strömung wurde er am häufigsten in Verbindung gebracht: Bereits 1986 widmete Marisol Farré ihm eine Lizentiatsarbeit mit dem Titel Un fotógrafo catalán de la Nueva Objetividad, und 1996 präsentierten Ausstellung und Katalog des Departament de Cultura ihn als Emili Godes. Fotògraf de la Nova Objectivitat.

„Wenn die Wegbereiter der Neuen Sachlichkeit über die Ideen zu dieser Praxis gelangten, so gelangte Godes umgekehrt über die Praxis zu ihr. […] Godes, der sich nach 1929 als Mensch seiner Zeit versteht, stellt sich in den Dienst der Wissenschaft, der Industrie und der Verlagskultur, und er tut dies im empirischsten Sinn, ohne je auf ästhetische Werte zu verzichten.“

Daniel Giralt-Miracle, Text zur Ausstellung Primavera Fotogràfica, 1996

Dieselbe Pflanze, dasselbe Jahrzehnt

Albert Renger-Patzsch, Echeveria, 1922
Albert Renger-PatzschEcheveria, 1922MoMA · Datensatz ansehen
Emili Godes, Cactus, ca. 1930
Emili GodesCactus, ca. 1930
Neue Sachlichkeit: durchgehende Schärfe, diffuses Licht ohne dramatische Schatten und eine frontale Bildauffassung, die die Fläche füllt. Die Pflanze wird weder interpretiert noch idealisiert, sondern beschrieben: Die Rosette wird zu einer wiederholten geometrischen Struktur, und Schönheit entsteht aus Genauigkeit, nicht aus Effekt.
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Der Gegenstand exakt beschrieben

Emili Godes, Pèsols, ca. 1930
Emili GodesPèsols (Erbsen), ca. 1930
Neue Sachlichkeit: die geöffnete Schote, isoliert vor dunklem Hintergrund und ohne piktorialistische Mittel —weder Weichzeichnung noch Tonung oder Eingriff in den Abzug. Eine geschlossene Blende hält alles scharf, lange Belichtung und Seitenlicht modellieren jede Erbse und machen die Fasern der Schote sichtbar. Ein alltägliches Lebensmittel wirkt, mit Laborpräzision betrachtet, schließlich fremd.
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Emili Godes, Mans, ca. 1930
Emili GodesMans (Hände), ca. 1930
Neue Sachlichkeit: direkte, nicht manipulierte Fotografie, in der Streiflicht Venen, Falten und Nägel mit beinahe dokumentarischer Genauigkeit beschreibt. Der Körper wird wie ein Gegenstand behandelt —Materie und Textur vor Psychologie—: Es ist kein Porträt einer Person, sondern die exakte Beschreibung von Händen.
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Fotogramme

Kameralose Fotografie war das radikalste Experiment der Avantgarde: direkt mit Licht schreiben, ohne Objektiv und Negativ. Christian Schad, Man Ray und László Moholy-Nagy praktizierten sie seit dem Ende der 1910er-Jahre und vor allem in den 1920er-Jahren. Godes gelangte um 1930 zu ihr.

In seinen Fotogrammen verlagert sich die Aufmerksamkeit von der erkennbaren Darstellung auf Silhouette, Transparenz, Textur und Abstraktion. Das MNAC bewahrt sechs davon, die seine Tochter Maria Rosa Godes 1997 als Depositum übergab und 2005 schenkte: überwiegend Pflanzenmotive, aber auch Alltagsgegenstände wie eine Schere.

Mit Licht schreiben, ohne Kamera

Man Ray, Rayograph, 1925
Man RayRayograph, 1925© Man Ray Trust
László Moholy-Nagy, Flower, 1925-1927
László Moholy-NagyFlower, 1925–1927
Emili Godes, Fotogramm mit Zweigen in einer Vase, ca. 1930
Emili GodesOhne Titel (Zweige in einer Vase), ca. 1930
Fotogramm: ohne Kamera hergestellt, indem Zweige und Vase auf lichtempfindliches Papier gelegt und belichtet wurden. Was das Licht abschirmt, erscheint weiß, der Rest schwarz, sodass die Tonwerte umgekehrt werden; die undurchsichtige Vase wird zu einer flachen grauen Silhouette, während feinere Blätter etwas Licht durchlassen. Es gibt weder Negativ noch Objektiv noch Blickpunkt: nur Kontakt, Silhouette und Transparenz.
MNAC · 202483-000 · in Das Werk ansehen
Emili Godes, Fotogramm mit einer Schere, ca. 1930
Emili GodesOhne Titel (Schere), ca. 1930
Fotogramm: Die Schere wurde direkt auf das Papier gelegt, neben ein offen gewebtes Gewebe, das das Licht ungleichmäßig filtert und sich als Raster über den gesamten Hintergrund abzeichnet. Die zweite, schwächere Silhouette verrät eine Belichtung mit verschobenem Gegenstand. Das Werkzeug verliert seine Funktion und wird reine Form: Fotografie auf ihr Prinzip reduziert —Gegenstand, Licht und Papier.
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Annäherung an den Gegenstand

Die Kamera ermöglichte es, einem Gegenstand so nahe zu kommen, dass er aus seinem Zusammenhang gelöst, fragmentiert und in reine Form verwandelt wurde. Eine Brille, Hände oder ein Gewebe hören auf, nützliche Dinge zu sein, und werden zu visuellem Material. In diesen Bildern unterscheiden sich Fotografie als künstlerischer Ausdruck und Fotografie als Gebrauchsmittel bisweilen nur durch den Kontext ihrer Veröffentlichung.

Der Gegenstand als Form

André Kertész, Las gafas y la pipa de Mondrian, 1926
André KertészLas gafas y la pipa de Mondrian, 1926
Walter Peterhans, ohne Titel, ca. 1931
Walter PeterhansOhne Titel, ca. 1931
Emili Godes, ohne Titel (Gewebe), ca. 1930
Emili GodesOhne Titel (Gewebe), ca. 1930
Annäherung an den Gegenstand: Die Kamera rückt so nah heran, dass das Gewebe den gesamten Bildausschnitt füllt —ohne Rand, Maßstab oder Hinweis darauf, zu welchem Kleidungsstück es gehört. Übrig bleibt die Struktur —das Zickzack der Fäden und die feinen Härchen, die das Streiflicht einfängt—: Materie und Rhythmus. Der Gebrauchsgegenstand verschwindet, nur seine Oberfläche bleibt, nahe an der Abstraktion.
MNAC · 202130-000 · in Das Werk ansehen
Emili Godes, Natura morta, ca. 1930
Emili GodesNatura morta (Stillleben), ca. 1930
Annäherung an den Gegenstand: ein offenes Buch, eine Brille, ein getrockneter Kürbis, eine Taschenuhr und eine Tüte aus Zeitungspapier, aus der Nähe auf einem Tisch versammelt. Keiner dieser Gegenstände dient noch seinem ursprünglichen Zweck: Entscheidend sind Form, Textur und das harte Licht, das sie freistellt. Selbst der Schatten der Papiertüte löst sich gewissermaßen und wird zu einer eigenständigen Figur, so präsent wie die Gegenstände, die ihn werfen.
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Fotomontage

Die Fotomontage ermöglichte Godes, Bilder durch Kombination und Neuordnung verschiedener Elemente zu konstruieren. Das Verfahren erweiterte die dokumentarischen Möglichkeiten der Fotografie und machte sie zu einem Werkzeug visueller Verdichtung, besonders geeignet für Industrie-, Werbe- und Propagandakommunikation.

Seine Fotomontagen bewegen sich im selben Feld wie jene von Pere Català Pic —dem wichtigsten Theoretiker der neuen Fotografie in Katalonien— und Gabriel Casas, der das Verfahren während des Spanischen Bürgerkriegs in die institutionelle Bildsprache überführte.

Drei Arten, ein Bild zu montieren

Pere Català Pic, Industrias gráficas Cantín, ca. 1946
Pere Català PicIndustrias gráficas Cantín, ca. 1946MNAC
Gabriel Casas, Fisonomia econòmica de Catalunya, 1937
Gabriel CasasFisonomia econòmica de Catalunya, 1937gabrielcasas.cat
Emili Godes, Fotomontage, ca. 1930
Emili GodesFotomontage, ca. 1930MNAC
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Doppelbelichtung

Die Doppelbelichtung wurde besonders von den Surrealisten eingesetzt, verbreitete sich jedoch auch in anderen Bereichen. In Godes’ Werk erscheint sie als Verfahren zur Überlagerung und Verschiebung der Wirklichkeit und übernimmt in Màgica Nit (1945) eine narrative Funktion, indem sie die Welt kindlicher Träume und Ängste sichtbar macht.

Zwei Bilder auf demselben Negativ

Emili Godes, Piano, 1940
Emili GodesPiano, 1940 · Doppelbelichtung für FotomontageIEFC · in Das Werk ansehen
Josep Maria Lladó, ohne Titel, 1930-1934
Josep Maria LladóOhne Titel, 1930–1934MNAC
Einzelbild aus Màgica Nit: Stern und Komet über dem schlafenden Gesicht eines Kindes
Einzelbild aus Màgica Nit: Masken über dem Gesicht eines Kindes
Emili GodesZwei Einzelbilder aus dem Kurzfilm Màgica Nit, 1945
Hier ist die Doppelbelichtung nicht länger bloß ein bildnerisches Mittel, sondern wird narrativ: Stern und Komet überlagern das schlafende Gesicht des Kindes, und im zweiten Bild dringen Masken in sein Gesicht ein. Dasselbe Verfahren, das in der Standfotografie Gegenstände überlagert, dient im Film dazu, Traum und kindliche Angst sichtbar zu machen.
Privatsammlung · wiedergegeben in der TFP von Laia Foix
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Makrofotografie und Mikrofotografie

In den Bildern von Insekten, Pflanzen und anderen Naturformen verwandelt Godes wissenschaftliche Vergrößerung in eine visuelle Erfahrung. Sein Ziel ist nicht nur das Zeigen: Er will auch Überraschung, Verfremdung und Schönheit erzeugen. 1955 erklärte er selbst: „Bei geringeren Vergrößerungen und bereits außerhalb des engeren Bereichs der Wissenschaft eröffnet sich uns ein überaus weites Panorama von ungewöhnlichem künstlerischem Interesse, in dem die Neugier eine Quelle unerschöpflicher Überraschungen findet. Meine Spezialisierung hat sich bisher ausschließlich auf diesen letzten Aspekt gerichtet.“

Diese Techniken beherrschte er durch seine Arbeit mit der Escola Superior d’Agricultura, mit der er ab 1927 zusammenarbeitete. Professor Francisco García del Cid beschrieb ihn wenige Monate später als einen „unermüdlichen Arbeiter, der mir seine Sonntagvormittage gewidmet und in wenigen Wochen die grundlegenden Probleme der Mikrofotografie erlernt hat“. Das von ihm verwendete Gerät für die Mikrofotografie war eigens von Casa Cuyàs gebaut worden, gerade in den Jahren, in denen Godes dort arbeitete. Daher muss die lange wiederholte Vorstellung relativiert werden, er habe mit primitiven Verfahren und improvisierten Linsen aus Gläsern und Flaschen gearbeitet: Er verfügte über solides technisches Wissen und geeignete Geräte.

Die Serie gelangte erst spät an die Öffentlichkeit. Sebastià Gasch widmete ihr 1938 in Meridià einen Artikel mit fünf Fotografien und stellte sie 1944 in der Galerie El Jardín in einer Einzelausstellung aus. Es folgten drei Artikel von Carles Sindreu: El Español (1955, neun Fotografien), Diario de Barcelona (1956, „Monstruos insospechados“, drei) und die Zeitschrift San Jorge (1963, „Monstruos en primavera“, neun).

Terminologische Präzision: Nahaufnahme bezeichnet Abbildungsmaßstäbe zwischen 1:5 und 1:1, Makrofotografie beginnt bei 1:1, und Mikrofotografie liegt vor, wenn ein Mikroskop erforderlich ist. Ein großer Teil dessen, was er „Mikrofotografien“ nannte, sind technisch gesehen Makrofotografien.

Von wissenschaftlicher Vergrößerung zu visueller Überraschung

Emili Godes, Landschaft durch Libellenflügel, ca. 1930
Emili GodesPaisatge a través d’ales de libèl·lula (Landschaft durch Libellenflügel), ca. 1930
Vergrößerung und Komposition zugleich: Gegen das Licht über einer Marschlandschaft wirken die Flügel wie ein Glasfenster. Das Adernetz lässt sich Zelle für Zelle mit der für die Vergrößerung nötigen Schärfe lesen, während der Hintergrund zerfließt —bei dieser Nähe schrumpft die Schärfentiefe beinahe auf null. Das Ergebnis ist keine entomologische Tafel mehr, sondern ein Bild.
MNAC · 202116-000 · in Das Werk ansehen
Emili Godes, Mikrofotografie eines Flohs, ca. 1930
Emili GodesPuça (Floh), ca. 1930
Mikrofotografie im strengen Sinn: Das Präparat, auf einem Objektträger montiert und von Licht durchstrahlt, erscheint als durchscheinende Silhouette auf Weiß; sichtbar sind die Platten des Hinterleibs, die Dornen und sogar die Krallen an den Beinen. Der Maßstabssprung —vom fast Unsichtbaren zum 35 cm großen Abzug— macht aus einem Hausparasiten eines jener „ungeahnten Monster“, auf die Carles Sindreus Titel anspielt.
MNAC · 202118-000 · in Das Werk ansehen
Emili Godes, Dicke Bohne in der Schote in extremer Nahaufnahme, ca. 1930
Emili GodesFava (Dicke Bohne), ca. 1930
Nahaufnahme mit einem Abbildungsmaßstab nahe 1:1: Bohne und Schote füllen den Bildausschnitt. Seitenlicht unterscheidet drei Materialien —die glatte Haut der Bohne, die wattige Innenseite der Schote und die glänzende Kante—, während der dunkle Hintergrund jeden Maßstabsbezug aufhebt. Nichts deutet mehr darauf hin, dass es sich um ein Lebensmittel handelt.
MNAC · 202135-000 · in Das Werk ansehen
Emili Godes, Kopf und Flügel eines Schmetterlings in extremer Nahaufnahme, ca. 1930
Emili GodesPapallona (Schmetterling), ca. 1930
Die Vergrößerung zeigt, was das Auge nicht erfassen kann: Flügelschuppen, Augenflecken und die Behaarung des Thorax. Doch Godes fotografiert den Schmetterling nicht auf einer Laborplatte, sondern aus seiner eigenen Höhe mit dem Himmel im Hintergrund, sodass die Fühler wie zwei Linien hervortreten. Dasselbe Bild dokumentiert und erstaunt zugleich.
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Bildausschnitte und Blickpunkte

Für Godes war der Bildausschnitt keine neutrale Entscheidung. Der Standpunkt, von dem aus fotografiert wird, verändert Maßstab, Spannung und Bedeutung des Motivs. Seine Auf- und Untersichten, Nahaufnahmen und Diagonalen zeigen den Willen, das Bild zu konstruieren, nicht bloß das Vorhandene zu registrieren.

Zwei Arten, die Kamera zu positionieren

Emili Godes, Geburtsfassade der Sagrada Família in Untersicht, 1965
Emili GodesSagrada Família, Geburtsfassade, 1965
Die Kamera steht fast unmittelbar an der Mauer und ist nach oben gerichtet. Die extreme Untersicht lässt die Türme zusammenlaufen, verzerrt den Maßstab und verwandelt die Fassade in einen einzigen Körper, der oben aus dem Bild entweicht. Es geht nicht darum, das Gebäude wiederzuerkennen, sondern seine Vertikalität spürbar zu machen: Der Blickpunkt ist hier selbst das Thema der Fotografie.
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Emili Godes, Gang zwischen zwei Reihen von Spinnmaschinen, ca. 1940-1950
Emili GodesGéneros de Punto Rafel, Spinnsaal, ca. 1940–1950
Der entgegengesetzte Fall: Die Kamera steht auf der Achse des Ganges auf Höhe der Maschinen. Zwei Reihen von Spulen laufen auf einen einzigen Fluchtpunkt zu, und der leere Boden in der Mitte ordnet das gesamte Bild. Ein Industrieauftrag, gelöst durch eine Entscheidung des Bildausschnitts —wo die Kamera stehen soll—, die die Wiederholung der Spulen zum Thema macht.
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Licht, Geometrie und Komposition

Godes’ Modernität entsteht auch aus elementaren Mitteln: Licht, Linien, Flächen, Volumen und Rhythmus. In seinen Fotografien ordnen diese Elemente das Bild und können einen Gebrauchsgegenstand, eine Pflanze oder eine Industrieanlage in eine autonome Komposition verwandeln.

Licht als Material

Emili Godes, OSRAM-Schaufenster bei der Exposición de la luz, 1929
Emili GodesOSRAM-Schaufenster, Exposición de la luz, 1929
Hier beleuchtet das Licht nicht das Motiv: Es ist das Motiv. Die Leuchtröhren zeichnen einen radialen Fächer in eine Raute, und Godes fotografiert ihn frontal, mittig und symmetrisch, damit die Geometrie unverändert zur Geltung kommt. Die Schwierigkeit ist handwerklich —eine Belichtung zu messen, bei der das Motiv selbst leuchtet und alles andere schwarz ist, ohne die Röhren ausfressen oder die Glühlampen am Sockel verschwinden zu lassen—, und das Ergebnis trägt sich allein als Form.
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Emili Godes, Weihnachtskomposition mit Pferdefigur und diagonalen Schatten, ca. 1943-1945
Emili GodesWeihnachtsserie, ca. 1943–1945
Eine Studiokomposition aus fast nichts: eine kleine Pferdefigur, ein Papierstern und diagonal projizierte Lichtbänder. Der Schatten besitzt ebenso viel Gewicht wie der Gegenstand, der ihn wirft; helle und dunkle Streifen schneiden die Fläche diagonal, und die Aufsicht beseitigt Boden und Tiefe. Licht, Geometrie und Rhythmus genügen, um das gesamte Bild zu ordnen.
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Die Stadt bei Nacht

Gegenüber der Bukolik idyllischer Landschaften sucht der moderne Fotograf menschliche Aktivität. Die Stadt wird zum Motiv: das urbane Gefüge, Menschen als Gruppe, Gebäude aus Beton und Glas. Auch die nächtliche Stadt wird zu einem neuen Schauplatz, mit Straßen im Licht öffentlicher Beleuchtung, die dank empfindlicherer Kameras und Filme endlich fotografiert werden können. Brassaï veröffentlicht 1933 Paris de nuit.

Godes fotografiert nachts das Schaufenster des Banco Comercial Transatlántico während der Exposición de la Luz 1929: ein leuchtendes Schild, die nasse Spiegelung des Pflasters und eine Straßenlaterne. Es handelt sich um einen Werbeauftrag —die Lichtinstallation bestand aus OSRAM-Lampen—, gelöst mit demselben visuellen Vokabular, mit dem seine Zeitgenossen freie künstlerische Arbeiten schufen.

Die beleuchtete Straße

André Kertész, Paris night square, 1927
André KertészParis night square, 1927
Brassaï, aus Paris de nuit, 1933
BrassaïAus Paris de nuit, 1933© Estate Brassaï
Emili Godes, Exposición de la luz, 1929
Emili GodesExposición de la luz, 1929 · BarcelonaIEFC · in Das Werk ansehen
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Moderne Werbung

Werbefotografie verlangte Klarheit, Präzision und die Fähigkeit, ein Produkt in ein attraktives Bild zu verwandeln. Barcelona erlebte in diesen Jahren einen deutlichen Aufschwung: 1932 entstand das Institut Psicotècnic de la Generalitat mit einem eng mit Català Pic verbundenen Werbeseminar, und im Publi-Cinema am Passeig de Gràcia fand der I Salón Nacional de Fotografía Publicitaria statt, eröffnet mit dem Vortrag La fotografía moderna como elemento de publicidad. Godes nahm mit seinen Fotografien teil, die von der Presse hervorgehoben wurden.

Während Fachzeitschriften dem piktorialistischen Salonstil treu blieben, öffnete gerade die Werbung —also ein kommerzieller Auftrag— der modernen Fotografie die Tür. Godes setzte dort strenge Bildausschnitte, Kontraste, Geometrien und eine besondere Lichtführung ein. In einer Anzeige für Laboratorios Andrómaco um 1936 ist das dargestellte Mädchen Maria Rosa, seine jüngste Tochter.

Das Produkt als Bild

Josep Sala, ohne Titel, ca. 1930
Josep SalaOhne Titel, ca. 1930
Gabriel Casas und Josep Alumà, ohne Titel, ca. 1930
Gabriel Casas i Josep AlumàOhne Titel, ca. 1930
Emili Godes, Cesterol für Laboratorios Esteve
Emili GodesCesterol, für Laboratorios EsteveIEFC · in Das Werk ansehen
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Film

In den Nachkriegsjahren entfaltete Godes seine künstlerische Kreativität vor allem im Film. Seit Beginn der 1930er-Jahre arbeitete er in der Standfotografie, besonders für die Orphea-Studios, und kannte das Medium daher genau. Multidisziplinarität war zudem typisch für Künstler seiner Zeit: Katalanen wie Ramon de Baños, Josep Masana oder Josep Maria Lladó arbeiteten ebenso zeitweise im Film wie Moholy-Nagy, Rodchenko oder Leni Riefenstahl.

Er führte bei drei Kurzfilmen Regie, alle drei stumm. Màgica Nit (1945), etwas mehr als acht Minuten lang, verbindet in der Dreikönigsnacht die Vorfreude auf Geschenke mit kindlichen Ängsten und nutzt Doppelbelichtungen, um die Traumwelt der Hauptfigur darzustellen. La Calumnia (1946–1948), neunzehn Minuten lang, ist stärker narrativ: Extreme Großaufnahmen sowie Auf- und Untersichten verstärken die Emotionen. Todo es según el color… (1952 oder 1953), etwa achtzehn Minuten lang und nach einem Drehbuch von Ángel G. Gauna, entstand an stark urban geprägten Schauplätzen —im Inneren der Börse während des Handels, am Hafen vom oberen Teil des Turms San Sebastián, an Bahngleisen— und wechselt zwischen Farb- und Schwarzweißbildern, um Optimismus und Pessimismus gegenüberzustellen.

Standfotografie: der Auftrag als Fotografie betrachtet

Emili Godes, Standfoto aus Hay un camino a la derecha, aufgenommen im Somorrostro, 1953
Emili GodesHay un camino a la derecha (Francesc Rovira Beleta), 1953
Standfoto, aufgenommen im Somorrostro, mit den realen Strandbaracken im Hintergrund. Godes senkt die Kamera auf die Höhe des im Sand spielenden Kindes, lässt die Düne den Bildausschnitt diagonal durchschneiden und setzt die beiden Figuren in die leere Mitte. Die Kulisse ist kein Studio: Es ist die Stadt, die der Film zeigen will, und der Werbeauftrag wird wie dokumentarische Fotografie gelöst.
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Emili Godes, Standfoto aus Cañas y barro in der Albufera, 1954
Emili GodesCañas y barro (Juan de Orduña), 1954
In der Albufera, mit der Stange diagonal über den Himmel und einer sehr tiefen Horizontlinie, verdoppelt das ruhige Wasser Boote und Figuren: Die Hälfte des Bildes besteht aus Spiegelung. Die Szene ist im Gegenlicht aufgenommen, sodass die Personen als Silhouetten erscheinen. Es ist ein Produktionsfoto, doch seine Komposition stammt aus Godes’ freiem Werk.
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Emili Godes, Standfoto aus Siega verde, aufgenommen in Salardú, 1960
Emili GodesSiega verde (Rafael Gil), 1960
Dreharbeiten in Salardú vor der romanischen Kirche. Statt den Tanz frontal zu fotografieren, begibt sich Godes zwischen die Musiker: Blechblasinstrumente und Tenora ragen links unscharf ins Bild und bilden einen Rahmen, die Tänzer bleiben in der Mitte, und der Berg schließt den Hintergrund. Der Blickpunkt verwandelt ein Produktionsfoto in eine Reportage.
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Emili Godes, Standfoto aus Plácido am Bahnhof des Ortes, 1961
Emili GodesPlácido (Luis García Berlanga), 1961
Von Orphea gedreht, war es der erste spanische Film, der für einen Oscar nominiert wurde. Am Bahnhof, während alle auf die Ankunft der Filmstars warten, durchquert das Willkommensbanner das Bild diagonal und verdeckt diejenigen, die es halten; rechts schauen die Anwohner verlegen, und ein Schild an der Wand erinnert daran, dass im neuen Spanien nicht geflucht wird. Berlangas Ironie passt in ein einziges Standfoto.
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Moderne auf Aufträge angewandt

Die Modernität von Emili Godes war kein Stil, den er seinen persönlichen Bildern vorbehielt. Sie zeigt sich ebenso in den Aufträgen für Unternehmen, wissenschaftliche Institutionen, Ärzte, Künstler und Filmstudios. Seine Fähigkeit, konkrete Anforderungen zu erfüllen, ohne den eigenen Blick aufzugeben, erklärt die tiefe Einheit eines scheinbar sehr vielfältigen Werks.

Das beste Beispiel für diese Synthese ist die Reportage über die Laboratorios del Dr. Esteve. 1942 eröffnete das Unternehmen seinen neuen Sitz im Viertel Guinardó, und das Arxiu Històric Fotogràfic del IEFC bewahrt rund hundert Originalnegative von Godes, die diese Anlagen vollständig dokumentieren. Die endgültigen Abzüge konnten nicht gefunden werden, nicht einmal im Unternehmen selbst, wo die Existenz dieser Bilder unbekannt war.

Die Reportage entstand in den härtesten Jahren der Nachkriegszeit, als ideologische und kulturelle Repression besonders erdrückend war. Dennoch bewahren die Fotografien eine Frische in Konzeption, Ästhetik und Bildausschnitt, die sie stärker an die Bildwelt der Republik annähert als an die Ästhetik des neuen Regimes. Besser als jede andere Serie zeigen sie, wie weit Godes die Modernität der Avantgarden in sein Handwerk integriert hatte —weit über Fotografien für Wettbewerbe hinaus.

Ein Auftrag wie ein eigenes Werk betrachtet

Emili Godes, Arbeiterinnen bei der Kontrolle von Ampullen in den Laboratorios Esteve, ca. 1955-1960
Emili GodesLaboratorios del Dr. Esteve, Ampullenkontrolle, ca. 1955–1960
Der Auftrag verlangte die Dokumentation der Qualitätskontrolle; Godes löst ihn in moderner Bildsprache. Statt einer Gesamtansicht des Raums ordnet er die Arbeiterinnen diagonal an und lässt Kittel, Hauben und die leuchtenden Ovale der Prüfgeräte rhythmisch wiederkehren. Das einzige entscheidende Licht stammt aus den Geräten selbst, während der Aktenschrank im Hintergrund den Bildausschnitt wie ein Raster abschließt.
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Emili Godes, Produktionsraum mit Reaktoren in den Laboratorios Esteve, ca. 1960-1965
Emili GodesLaboratorios del Dr. Esteve, Produktionsraum, ca. 1960–1965
Fabrikfotografie mit der Schärfe der Neuen Sachlichkeit: hoher Standpunkt und geschlossene Blende, sodass Bottiche, Reaktoren und Ballonflaschen vom Vorder- bis zum Hintergrund gleich klar lesbar sind. Das Gewirr aus Wellen, Riemenscheiben und Rohrleitungen an der Decke wirkt wie ein Raster, das das Bild oben abschließt. Die Aufnahme zeigt exakt, was das Unternehmen zeigen musste, und ordnet zugleich das industrielle Durcheinander zu einer Komposition.
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